Mehr Blüten und Insekten beim Bio Anbau…

Mehr Blüten und Insekten beim Bio Anbau…

Verglichen mit der konventionellen Landwirtschaft bietet der ökologische Landbau den Insekten und der Biodiversität deutliche Vorteile. Eine in Deutschland erstellte Metastudie aus vielen Einzeluntersuchungen weist nach, dass auf ökologisch bewirtschafteten Flächen 23 Prozent mehr blütenbesuchende Insektenarten vorkommen als auf konventionellen Flächen. Es gibt im Mittel 30 Prozent mehr Wildbienen- und 18 Prozent mehr Tagfalterarten. Nicht nur die Vielfalt der Insekten ist beim ökologischen Landbau besser, auch ihre Anzahl erhöht sich: Im Durchschnitt sind 26 Prozent mehr Blütenbesucher auf den Bioflächen vorhanden, und die Anzahl der Tagfalter ist sogar um fast 60 Prozent erhöht.

Ein häufig genutzter Indikator für Biodiversität und Insekten sind Feldvögel. Auf Ökoflächen finden sich 35 Prozent mehr Arten, die dort zudem um 24 Prozent häufiger vorkommen. Insgesamt sind diejenigen Vogelarten in Deutschland in den vergangenen Jahren zurückgegangen, die sich während der Brutzeit von Kleininsekten und Spinnen ernähren. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler führen dies auf den Mangel an Nahrung auf den konventionell bebauten Feldern und auf den flächendeckenden Einsatz von Insektiziden zurück.
Die Gründe für die positiven Auswirkungen des ökologischen Landbaus auf biologische Vielfalt und Insekten sind verschieden. Er verzichtet auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel, mit denen konventionell wirtschaftende Höfe unerwünschte Kräuter oder Schädlinge bekämpfen. Problemkräuter werden mechanisch entfernt oder über eine vielseitige Fruchtfolge mit jährlich wechselnden Kulturarten reguliert. Außerdem verwendet der ökologische Landbau keinen mineralischen Stickstoffdünger, sondern baut Klee und Luzerne oder Lupinen an. Die Pflanzen binden Stickstoff und sind somit ein guter Dünger. Gleichzeitig bieten sie Insekten Nahrung und Lebensräume. Die Metastudie aus Deutschland stellte fest, dass die Zahl der auf dem Acker vorkommenden Wildkräuterarten beim Bioanbau im Mittel um 94 Prozent höher lag, und am Ackerrand kamen 21 Prozent mehr Kräuterarten vor.

Im Getreideanbau sind die Auswirkungen des ökologischen Landbaus auf die Biodiversität besonders groß, weil das konventionell produzierte Getreide auf einem intensiven Einsatz von anorganischem Dünger und Pestiziden beruht. Bestäuber reagieren auf Pestizide sehr empfindlich. Verzichtet ein Biobetrieb auf solche Mittel, nimmt der Reichtum an lokalen Bestäubern zu. Da die Pestizide aber bei Wind driften und die Insekten auch benachbarte konventionell bewirtschaftete Höfe besuchen, können diese negativen Auswirkungen die positiven überlagern. Dies gilt ebenso, wenn Hecken und Ackerrandstreifen oder andere ökologische Nischen fehlen. Insgesamt aber sind die Effekte des ökologischen Landbaus für den Insektenbestand umso positiver, je strukturärmer und monotoner die Bewirtschaftung in der Region ist.

Quelle: Blütenatlas 2020 (Heinrich Böll Stiftung) 

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